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Ost-West oder Süd: Was bringt mehr auf einem Pfälzer Satteldach?

Die meistgestellte Frage vor jeder Anlage — und die, bei der die einfache Antwort seit Jahren falsch ist.

Süd, 30–35° Neigung
100 %Bezugsgröße
Ost-West zusammen
ca. 80–90 %des Süd-Jahresertrags
Eigenverbrauchsquote Süd
25–35 %ohne Speicher
Eigenverbrauchsquote Ost-West
deutlich höherbreitere Tageskurve

Die alte Regel lautete: Süden, dreißig Grad, fertig. Sie stammt aus einer Zeit, in der jede eingespeiste Kilowattstunde gut bezahlt wurde. Damals zählte nur der Jahresertrag. Heute zählt, wann der Strom kommt.

Was Süd kann

Ein nach Süden ausgerichtetes Satteldach mit dreißig bis fünfunddreißig Grad Neigung liefert den höchsten Jahresertrag, den ein Dach an diesem Standort überhaupt liefern kann. Die Leistung konzentriert sich aber um die Mittagszeit — eine steile Spitze zwischen elf und drei.

Genau dann ist in einem normalen Einfamilienhaus niemand da. Der Strom geht ins Netz, für 7,70 Cent je Kilowattstunde. Gekauft wird er abends zum Drei- bis Vierfachen zurück.

Was Ost-West kann

Eine Anlage, die je zur Hälfte nach Osten und Westen zeigt, kommt auf ungefähr achtzig bis neunzig Prozent des Süd-Jahresertrags. Sie verteilt die Erzeugung aber über einen deutlich längeren Tag: Die Ostseite liefert früh, die Westseite bis in den Abend.

Die Folge ist eine flachere, breitere Kurve, die besser zum tatsächlichen Verbrauch eines Haushalts passt — Frühstück, Waschmaschine, Abendessen. Der Eigenverbrauch steigt spürbar, und das gleicht die zehn bis zwanzig Prozent geringeren Jahresertrag in vielen Fällen mehr als aus.

Die Faustregel für heute

Rechnen Sie in Eigenverbrauch, nicht in Jahresertrag

Solange eine eingespeiste Kilowattstunde nur einen Bruchteil dessen wert ist, was eine zugekaufte kostet, ist die entscheidende Zahl nicht, wie viel eine Anlage erzeugt, sondern wie viel davon im Haus bleibt.

Ein Ost-West-Dach mit weniger Jahresertrag kann damit wirtschaftlich besser sein als ein Süddach — und das ist der Grund, warum die alte Faustregel nicht mehr trägt.

Und wenn beides geht?

Auf vielen Höfen in der Gegend gibt es mehr als eine Fläche: Wohnhaus, Scheune, Garage, Anbau. Dann ist die beste Lösung oft nicht die eine perfekte Fläche, sondern die Kombination — Süd für den Jahresertrag, West für den Abend.

Ob das im Einzelfall passt, sagt der Blick ins Solarkataster: Dort ist für jedes Gebäudeteil Ausrichtung, Neigung und nutzbare Fläche hinterlegt.

Was die Neigung ausmacht

  • Flach geneigte Dächer liefern im Sommer mehr, im Winter weniger — die Kurve über das Jahr wird ungleichmäßiger.
  • Steilere Dächer holen im Winter mehr heraus, weil die Sonne tiefer steht. Für Haushalte mit Wärmepumpe ist das ein Argument.
  • Zwischen 25 und 40 Grad Neigung liegen die Unterschiede im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Darüber lohnt kein Streit.

Passend dazu vor Ort

Quellen und Stand. Fördersätze, Vergütungen und gesetzliche Regelungen ändern sich. Prüfen Sie die Werte vor einer Entscheidung nach.

  • Ertragsverhältnisse: allgemeine PV-Auslegungswerte für Süddeutschland
  • Einspeisevergütung: EEG, Stand 1. August 2026
  • Flächendaten je Gebäude: Solarkataster Rheinland-Pfalz